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Der Coaching-Prozess: Was dich erwartet

Blog #226. März 202615 Min. Lesezeit

Auf einen Blick

Du überlegst, ein Coaching zu buchen, aber weißt nicht genau, was auf dich zukommt? Verständlich. Coaching ist kein geschützter Begriff, und was darunter passiert, kann je nach Coach sehr unterschiedlich aussehen. Deshalb möchte ich dir hier transparent zeigen, wie mein Coaching-Prozess aufgebaut ist. Nicht als starres Schema, das bei jedem Klienten gleich abläuft, sondern als Orientierungsrahmen, der dir Sicherheit gibt.

Das Ganze verteilt sich in der Regel auf zwei Termine mit jeweils drei bis vier Stunden und einer Woche Abstand dazwischen. Bei kürzeren Anliegen (zum Beispiel einer einzelnen Entscheidung) reicht manchmal auch ein einziger Termin. Mein Coaching folgt einem 5-Phasen-Modell:

1

Kontakt & Kontrakt

Wir klären Erwartungen, Rollen, Vertraulichkeit und Grenzen.

Ergebnis: Ein tragfähiges Arbeitsbündnis und dein Thema auf dem Flipchart.

2

Thema- & Zielklärung

Du stellst dein System auf Moderationskarten auf und formulierst ein konkretes, messbares Ziel.

Ergebnis: Eine vollständige Systemlandkarte, ein SMART+E-Ziel und priorisierte Zielerreichungsmerkmale.

Bewusste Zwischenpause (ca. 1 Woche)

Zeit für Reflexion. Du lässt das Erarbeitete sacken, ich plane die passenden Methoden.

Ergebnis: Neue Gedanken beim Klienten, maßgeschneiderte Methodenplanung beim Coach.

3

Ressourcen entdecken

Wir identifizieren deine Stärken, Erfahrungen und unterstützenden Faktoren im System.

Ergebnis: Ein breites Spektrum an Optionen und Ressourcen für alle Zielerreichungsmerkmale.

4

Handlungsoptionen entwickeln

Aus den Optionen werden konkrete, überprüfbare Maßnahmen mit Risikoanalyse.

Ergebnis: Ein vollständiger Maßnahmenplan, abgeglichen mit allen Zielerreichungsmerkmalen.

5

Controlling

Wir sichern die Ergebnisse ab, verankern Maßnahmen im Alltag und prüfen deine Motivation.

Ergebnis: Ein motivierter, handlungsfähiger Klient mit einem umsetzbaren Plan.

Das war der Kurzüberblick

Du hast jetzt einen guten Überblick über den Coaching-Prozess. Wenn du es genauer wissen willst, findest du unten jede Phase im Detail beschrieben, mit Fallbeispiel, Systemlandkarte und konkreten Beispielen.

Fiktives Fallbeispiel: Thomas (38)

Dieser Fall ist fiktiv, basiert aber auf realistischen Szenarien und Erfahrungswerten aus der Coaching-Praxis.

Thomas ist 38 und seit acht Jahren Projektleiter bei einem Maschinenbauunternehmen (120 Mitarbeiter). Vor drei Monaten wurde er zum Abteilungsleiter befördert. Er führt jetzt ein Team von zwölf Personen, darunter drei ehemalige Kollegen und einen neuen Mitarbeiter. Er kommt ins Coaching mit dem Gefühl: „Seit der Beförderung läuft nichts mehr rund. Mein Team zieht nicht mit, ein Kollege schikaniert mich, ich kontrolliere alles selbst und arbeite 55 Stunden die Woche.“

Wir begleiten Thomas durch alle 5 Phasen, damit du siehst, wie der Prozess in der Praxis aussieht.

Die Phasen 1 und 2 laufen im Kern bei jeder Coaching-Sitzung gleich ab, weil Arbeitsbündnis, Systemlandkarte und Zielklärung immer die Grundlage bilden. Die Phasen 3 bis 5 unterscheiden sich dagegen von Klient zu Klient, da hier mit unterschiedlichen Methoden gearbeitet wird, die individuell zur Situation passen.

Phase 1: Kontakt & Kontrakt

Bevor wir inhaltlich arbeiten, klären wir die Grundlagen. Das klingt selbstverständlich, wird aber in vielen Beratungssettings übersprungen. Im Coaching ist dieses Arbeitsbündnis das Fundament, auf dem alles Weitere aufbaut.

1.1 Vorstellung und Erwartungen

Wir lernen uns kennen. Du schilderst grob, was dich herführt, und wir klären gegenseitige Erwartungen. Ganz wichtig in diesem Schritt: Wir besprechen auch, was auf keinen Fall Thema sein soll. Jeder Mensch hat Grenzen, und die werden respektiert. Falls ein Vertrag notwendig ist und noch nicht im Vorfeld unterschrieben wurde, passiert das hier.

1.2 Coachingablauf und Rollenverständnis

Du bekommst eine Erklärung des gesamten 5-Phasen-Modells, damit du weißt, was auf dich zukommt. Wir klären die Rollen: Du trägst die Verantwortung für den Inhalt und die Ergebnisse. Ich trage die Verantwortung für den Prozess, den Rahmen und die Qualität. Ich werde dir keine Ratschläge geben und dir nicht sagen, was du tun sollst. Stattdessen stelle ich die Fragen, die dich weiterbringen.

Alles, was wir besprechen, ist vertraulich. Es gibt keine Berichte an Dritte, keine Zusammenfassungen für Vorgesetzte. Auch wenn dein Arbeitgeber das Coaching beauftragt hat, bleibt der Inhalt zwischen uns. Und: Coaching basiert auf Freiwilligkeit. Du entscheidest jederzeit, ob du fortfahren möchtest.

1.3 Thema und Veränderungswunsch visualisieren

Am Ende von Phase 1 formulierst du dein Thema. Es wird als Titel auf dem Flipchart festgehalten. Noch keine Stichpunkte, keine Analyse, kein System drumherum. Nur dein Thema, in deinen Worten. Das markiert den offiziellen Start unserer gemeinsamen Arbeit. Der Flipchart bleibt stehen und wird in Phase 2 weitergenutzt.

Bei Thomas sah das so aus:

Thomas formuliert sein Thema. No-Go: Seine Ehe soll nicht Thema sein. Die Gereiztheit zu Hause ist für ihn ein Symptom, nicht das Thema.

Flipchart

„Meine neue Rolle als Abteilungsleiter: Wie führe ich mein Team so, dass es funktioniert?“

Das Thema als Titel auf dem Flipchart. Noch keine Stichpunkte, kein System. Nur der Startpunkt.

Was du dir vorab überlegen kannst:

Was erwarte ich von einem Coaching? Was wäre für mich ein gutes Ergebnis? Gibt es etwas, das auf keinen Fall Thema sein soll?

Phase 2: Thema- und Zielklärung

Phase 2 ist in der Regel die umfangreichste Phase. Hier geht es darum, aus einem vagen Gefühl ein konkretes, greifbares Ziel zu machen. Diese Phase verlangt viel Arbeit vom Klienten. Das ist gewollt: Je gründlicher hier gearbeitet wird, desto besser lässt sich in allen folgenden Phasen aufbauen.

2.1 Die Systemlandkarte: Deine Ist-Situation visualisieren

Du bekommst Moderationskarten in verschiedenen Farben und einen Stift. Auf dem Boden oder einem großen Tisch entsteht Schritt für Schritt dein System. Wichtig: Wir schauen nur auf den Ist-Zustand. Wie ist deine Situation jetzt? Kein Blick in die Vergangenheit, kein Blick in die Zukunft.

Du schreibst auf die Karten alle Personen, Beziehungen, Einflussfaktoren und Rahmenbedingungen, die mit deinem Thema zusammenhängen. Dein Vorgesetzter, dein Team, die Unternehmensstruktur, familiäre Rahmenbedingungen, Zeitdruck, finanzielle Faktoren. Alles, was relevant ist. Dabei gilt: Detailliert schreiben, keine Oberbegriffe. Jede Karte muss so formuliert sein, dass du auch ein Jahr später noch verstehst, was damit gemeint ist.

Das Besondere an den Moderationskarten: Du kannst sie jederzeit verschieben, neu anordnen, Abstände verändern. Wenn du merkst, dass eine Person näher an deinem Thema steht als gedacht, schiebst du die Karte näher ran. Wenn du erkennst, dass zwei Faktoren zusammenhängen, legst du sie nebeneinander. Diese Flexibilität macht Zusammenhänge sichtbar, die auf Papier oder im Kopf verborgen bleiben.

Beispiel: Systemlandkarte von Thomas (fiktiver Fall)

THEMA

Neue Rolle als Abteilungsleiter: Wie führe ich mein Team?

Personen

Markus (neu, 4 Mon.), stellt viele Fragen in Meetings, hinterfragt Entscheidungen
Stefan, ehem. Kollege, hatte sich selbst beworben, redet kaum noch mit mir
Andrea, ehem. Kollegin, Dienst nach Vorschrift seit Beförderung
Lisa, Teamleitung Teilbereich, loyal, einzige die offen redet
Hr. Krause (Geschäftsführer), fragt nach Projektzahlen, hat Coaching vorgeschlagen
Sabine (Frau), genervt von Gereiztheit, sagt ich soll kündigen
9 weitere Teammitglieder, warten ab, keine Eigeninitiative

Dynamiken & Beziehungen

Ich kontrolliere alles selbst, traue niemandem Aufgaben zu
Meetings: zäh, Markus fragt, Stefan schweigt, Andrea passiv
Stefan → Ich: Distanz, kühle E-Mails, geht mir aus dem Weg
Markus → Ich: Empfinde seine Fragen als persönlichen Angriff

Rahmenbedingungen

55-60 Std./Woche, 3 laufende Projekte, Deadlines in 6 Wochen
Kein Führungskräfte-Onboarding erhalten, ins kalte Wasser geworfen
Projektzahlen 15% schlechter seit Übernahme
Wöchentliches Teammeeting Mo 9 Uhr, aktuell sehr zäh
Personen Dynamiken Rahmenbedingungen Thema

Dies ist nur ein Beispiel. Jeder Klient baut seine Systemlandkarte selbst auf. Sie kann strukturiert oder chaotisch aussehen. Entscheidend ist, dass der Klient sich mit der Anordnung wohlfühlt. Der Coach greift nicht ein und versetzt nichts, es sei denn, der Klient bittet darum.

2.2 Zielfestlegung

Durch die Systemlandkarte hast du dich bereits intensiv mit deinem Thema auseinandergesetzt. Das hat einen entscheidenden Vorteil: Du kannst dein Ziel jetzt deutlich klarer formulieren als zu Beginn. Viele Menschen kommen mit einem Problem ins Coaching, aber nicht mit einem Ziel. Durch die vorherige Arbeit am System wird aus einem diffusen „Es läuft nicht rund“ ein konkretes, greifbares Ziel.

Bei Thomas sah das so aus:

Durch die Systemlandkarte erkennt Thomas: Sein Problem ist nicht „Markus nervt“, sondern „Ich bin in meiner neuen Rolle noch nicht angekommen und versuche, alles allein zu lösen.“

Erstes Ziel (noch nicht SMART)

„Ich will, dass mein Team besser funktioniert und ich weniger Stress habe.“

Nach SMART+E-Reflexion

„Ich möchte mein Team so führen, dass die Projektzahlen in 8 Wochen wieder auf dem Niveau von vor meiner Beförderung sind und ich max. 45 Std./Woche arbeite.“

Spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch, terminiert und eigenständig erreichbar (Thomas kann seinen Führungsstil selbst verändern).

2.3 Zielreflexion

Das formulierte Ziel wird anschließend auf Herz und Nieren geprüft. Dafür nutzen wir das SMART+E-Prinzip: Ist das Ziel spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert? Das „+E“ steht für Eigenständigkeit: Bist du in der Lage, das Ziel eigenständig zu erreichen, oder bist du von Dritten abhängig? Wenn Letzteres der Fall ist, passen wir das Ziel so an, dass es in deinem Einflussbereich liegt.

Außerdem schauen wir auf deine Motivation. Wo auf einer Skala von 1 bis 10 stehst du gerade? Was bräuchtest du, um einen Punkt höher zu kommen? Diese Fragen machen diffuse Zustände greifbar.

2.4 Zielerreichungsmerkmale visualisieren und skalieren

Jetzt wird es konkret: Woran erkennst du, dass du dein Ziel erreicht hast? Wir erarbeiten Zielerreichungsmerkmale (ZEM) und halten sie am Flipchart fest. Für jedes Merkmal ordnen wir ein, wo du gerade stehst (Ist) und wo du hin willst (Ziel), jeweils auf einer Skala von 1 bis 10.

Beispiel: Zielerreichungsmerkmale von Thomas (Skala 1-10)

3

Aufgaben delegiert, nicht alles selbst machen

8
2

Konstruktives Verhältnis zu Markus

7
3

Stefan und Andrea wieder eingebunden

7
4

Klare Meetingstruktur, produktive Meetings

8
4

Projektzahlen auf Vorbeförderungs-Niveau

8
2

Arbeitszeit max. 45 Std./Woche

8
3

Weniger Gereiztheit, bessere Stimmung privat

8
Ist-Zustand★ = priorisiertZiel-Zustand

Dies sind nur Beispiele. In einem echten Coaching können deutlich mehr Zielerreichungsmerkmale entstehen. Der Ziel-Zustand ist dabei keine automatische Verbesserung: Manche Werte können sich bewusst verschlechtern (z.B. weniger Freizeit durch Selbstständigkeit), ohne dass das ein Problem darstellt. Entscheidend ist, dass der Klient selbst priorisiert, was ihm wichtig ist.

2.5 Die wichtigsten 3-5 Zielerreichungsmerkmale priorisieren

Nicht alle ZEM sind gleich wichtig. Gemeinsam identifizierst du die drei bis fünf Merkmale, die den größten Hebel haben. Diese priorisierten ZEM steuern den gesamten weiteren Prozess: Sie bestimmen, welche Methoden in Phase 3 und 4 eingesetzt werden und worauf wir uns konzentrieren. Oft zeigt sich, dass ein einziger Hebel (zum Beispiel „Aufgaben delegieren“) gleich mehrere andere Merkmale positiv beeinflusst.

Die Zwischenpause

Zwischen dem ersten und dem zweiten Termin liegt in der Regel eine Woche. Das ist kein Zufall, sondern bewusst so geplant.

In den ersten beiden Phasen passiert viel. Du hast dein Thema aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, eine Systemlandkarte erstellt, dein Ziel konkretisiert und Zielerreichungsmerkmale erarbeitet. Das braucht Zeit, um sich zu setzen. Viele Klienten berichten, dass ihnen in den Tagen nach der ersten Sitzung neue Gedanken kommen, dass sich Zusammenhänge klären oder dass sie Dinge bemerken, die ihnen vorher nicht aufgefallen sind. Das ist gewollt. Coaching wirkt nicht nur in der Sitzung, sondern auch dazwischen.

Gleichzeitig nutze ich die Pause, um den weiteren Prozess zu planen. Auf Basis der Systemlandkarte, deines Ziels und deiner priorisierten ZEM wähle ich Methoden aus, die zu deiner Situation passen. Das ist keine Standardauswahl, sondern eine individuelle Planung, die auf dem aufbaut, was wir in der ersten Sitzung erarbeitet haben.

Phase 3: Ressourcen entdecken

Die zweite Sitzung beginnt mit einem Rückblick auf die Zwischenpause. Hat sich am System etwas verändert? Sind neue Punkte aufgetaucht, die ergänzt werden müssen? Hat sich das Ziel verschoben? Hat sich vielleicht sogar das gesamte Thema verändert? Dieser Check ist essentiell, damit wir nicht am falschen Ziel oder am falschen Thema arbeiten.

3.1 Hypothesenbildung

In diesem Schritt entwickelst du eigene Hypothesen darüber, welche Muster, Zusammenhänge oder Hebel in deiner Systemlandkarte und den ZEM stecken könnten. Wenn du möchtest, kann ich als Coach ebenfalls Hypothesen formulieren, die als Denkimpulse dienen. Ob und wie du sie annimmst, ist immer deine Entscheidung. Hypothesen sind keine Diagnosen und kein Input im Sinne von „So ist es.“ Sie sind Angebote zum Weiterdenken, die du hinterfragen, verändern oder verwerfen kannst.

3.2 Ressourcen identifizieren

In dieser Phase wird mit den Methoden gearbeitet, die ich in der Zwischenpause ausgewählt habe. Die Methoden dienen als Reflexionsraum, um die Komplexität deiner Situation vorübergehend zu reduzieren und einzelne Aspekte gezielt zu bearbeiten. Das Ziel: Für alle priorisierten Zielerreichungsmerkmale Antworten, Lösungsmöglichkeiten und Handlungsoptionen finden. Am Ende dieser Phase sollte kein ZEM unbearbeitet sein.

Wir sammeln Ressourcen aus zwei Richtungen: aus deinen eigenen Quellen (Fähigkeiten, Erfahrungen, Wissen, bisherige Erfolge) und aus dem systemischen Kontext (unterstützende Personen, bestehende Strukturen, Netzwerke, Zeitfenster). Dabei gilt Brainstorming-Logik: Erst sammeln, dann sortieren. Und ganz wichtig: In dieser Phase geht es nur um Optionen. Nichts muss sofort umgesetzt werden. Es geht darum, den Denkraum zu erweitern.

Bei Thomas war das der Wendepunkt:

Durch eine Perspektivwechsel-Frage („Wenn du neu in einem Team wärst und dein Chef auch erst seit drei Monaten da ist, was würdest du tun?“) erkennt Thomas: Markus stellt die vielen Fragen nicht, um ihn zu untergraben. Markus ist neu, will die Arbeitsweise seines Chefs verstehen und keine Fehler machen. Was Thomas als Angriff empfunden hat, war Markus' Versuch, gute Arbeit zu leisten. Plötzlich ist Markus nicht mehr das Problem, sondern eine Ressource.

Phase 4: Handlungsoptionen entwickeln

In Phase 4 wird es konkret. In Phase 3 wurde gesammelt und der Denkraum erweitert. Jetzt wird entschieden: Welche der gesammelten Optionen willst du tatsächlich verfolgen? Und wie stellst du sicher, dass sie auch umgesetzt werden?

4.1 Handlungsalternativen entwickeln und entscheiden

Aus den Ressourcen und Optionen der vorherigen Phase werden konkrete Handlungsalternativen abgeleitet. Das Entscheidende: Du wählst selbst, welche Optionen du verfolgen möchtest. Es gibt keinen vorgegebenen Weg. Du kennst deine Situation am besten und entscheidest, was für dich umsetzbar und sinnvoll ist.

Bei Thomas sah das so aus:

Thomas entwickelt für sein priorisiertes ZEM „Konstruktives Verhältnis zu Markus“ drei Optionen: (1) Einzelgespräch mit Markus, offen fragen, was er braucht. (2) Markus' Fragen im Meeting nicht als Störung behandeln, sondern als Beitrag wertschätzen. (3) Markus die Prozessoptimierung offiziell als Aufgabe geben. Thomas entscheidet sich für alle drei, weil sie aufeinander aufbauen.

4.2 SMART+E-Abgleich

Jede gewählte Handlungsoption wird überprüfbar gemacht. Wie beim Gesamtziel in Phase 2 wird auch hier das SMART+E-Prinzip angewendet: Wann genau setzt du die Maßnahme um? Woran erkennst du, dass sie erfolgreich war? Kannst du sie eigenständig umsetzen? Aus vagen Vorhaben werden konkrete, terminierte Schritte.

Bei Thomas sah das so aus:

Aus „Ich sollte mal mit Markus reden“ wird: „Nächsten Dienstag, 14 Uhr, Einzelgespräch mit Markus. Ich frage ihn offen, was er braucht, um gut arbeiten zu können. Erfolgskriterium: Wir haben eine gemeinsame Vereinbarung für die Zusammenarbeit.“ Spezifisch, messbar, terminiert und eigenständig umsetzbar.

4.3 Risikoanalyse und Gegenmaßnahmen

Nicht jede gute Idee lässt sich problemlos umsetzen. Für jede Maßnahme schauen wir: Was könnte die Umsetzung gefährden? Welche Hindernisse, Grenzen oder Nebenwirkungen könnten auftreten? Und genauso wichtig: Wie kannst du diesen Risiken begegnen? Wir entwickeln für jedes identifizierte Risiko direkt eine Gegenmaßnahme. So gehst du nicht mit einer Liste von Problemen raus, sondern mit einem Plan, der auch für Schwierigkeiten vorbereitet ist.

Bei Thomas sah das so aus:

Risiko beim Markus-Gespräch: Thomas könnte in alte Muster fallen („Du stellst zu viele Fragen“). Gegenmaßnahme: Gesprächsvorbereitung mit offenen Fragen, Perspektivwechsel bewusst halten. Risiko bei der neuen Meetingstruktur: Das Team empfindet es als weitere Kontrolle. Gegenmaßnahme: Transparent erklären, warum die Änderung kommt, und das Team nach Feedback fragen.

4.4 Abgleich mit allen Zielerreichungsmerkmalen

Zum Schluss wird systematisch geprüft: Decken die geplanten Maßnahmen alle ZEM aus Phase 2 ab? Im besten Fall werden im Coaching nicht nur die priorisierten Merkmale bearbeitet, sondern alle. Ziel ist, dass du zu jedem einzelnen Zielerreichungsmerkmal weißt, was du tun und was du lassen kannst. Wenn die Zeit nicht für alle reicht, haben die priorisierten Vorrang. Aber der Anspruch ist: nichts offen lassen. Falls Lücken sichtbar werden, wird nachgesteuert. Oft zeigt sich dabei, dass ein einziger Hebel gleich mehrere Merkmale positiv beeinflusst. Am Ende steht ein vollständiger, robuster Maßnahmenplan.

Bei Thomas sah das so aus:

Thomas' priorisierte ZEM (Delegation und Verhältnis zu Markus) sind beide durch konkrete Maßnahmen abgedeckt. Und ein Nebeneffekt: Wenn Delegation funktioniert, sinkt automatisch die Arbeitszeit und die Projektzahlen steigen. Ein Hebel löst mehrere Probleme gleichzeitig.

Phase 5: Controlling

Die letzte Phase wird oft unterschätzt, ist aber entscheidend. Denn die beste Erkenntnis nutzt nichts, wenn sie im Alltag wieder untergeht.

5.1 Zusammenfassung des gesamten Prozesses

Wir blicken gemeinsam auf den gesamten Weg zurück: Wo haben wir angefangen? Was wurde erarbeitet? Was hat sich verändert? Dieser Rückblick macht Fortschritte sichtbar, die im Tagesgeschäft leicht übersehen werden.

5.2 Verankerung der entwickelten Maßnahmen

Abstrakte Vorhaben werden in konkrete Alltagsstrukturen übersetzt. Wann genau setzt du welche Maßnahme um? Wer kann dich dabei unterstützen? Welche Termine trägst du in den Kalender ein? Ziel ist, dass die Maßnahmen nicht in der Hektik des Alltags untergehen.

5.3 Motivations-Check und somatische Marker

Wir prüfen nicht nur, ob der Plan logisch klingt, sondern auch, wie er sich anfühlt. Wie motiviert bist du auf einer Skala von 1 bis 10, die Maßnahmen jetzt umzusetzen? Spürst du Zuversicht und Energie? Oder eher Überforderung?

Dieser Punkt ist besonders wichtig: Im Coaching wird oft viel erarbeitet, und manchmal steht am Ende ein ambitionierter Plan, der den Klienten eher erschlägt als motiviert. Wenn das der Fall ist, gehen wir einen Schritt zurück. Wir priorisieren nochmal, nehmen Punkte raus, vereinfachen. Lieber weniger Maßnahmen, die tatsächlich umgesetzt werden, als ein umfassender Plan, der in der Schublade landet.

Wenn sich zeigt, dass bestimmte Maßnahmen Respekt einflößen (zum Beispiel ein schwieriges Gespräch mit einem Kollegen), dann kann das im Coaching noch vorbereitet werden. Mithilfe einer Methode zur Gesprächsführung gehen wir gemeinsam durch, wie das Gespräch aufgebaut werden kann, worauf zu achten ist und wie mögliche Reaktionen eingeordnet werden können. Falls die Zeit nicht reicht, kann dafür ein kurzer Zusatztermin vereinbart werden. Das Ziel: Du gehst nicht mit offenen Punkten raus, die dich nachts wachhalten.

Bei Thomas sah das so aus:

Thomas hat 7 Maßnahmen erarbeitet. Motivation: 9 von 10. Aber die Gespräche mit Stefan und Andrea machen ihm Respekt. Lösung: Wir priorisieren. Erst die schnellen Erfolge (Gespräch mit Markus, neue Meetingstruktur), dann die schwierigeren Gespräche. Für das Gespräch mit Stefan bereiten wir gemeinsam einen Leitfaden vor, damit Thomas sicher reingeht.

5.4 Follow-up (optional)

Nach ein bis zwei Monaten biete ich einen optionalen Follow-up-Termin an. Nicht als Pflichtveranstaltung, sondern als Angebot. Was wurde umgesetzt? Was hat funktioniert? Wo waren die Hindernisse? Für dich als Klient erzeugt das einen positiven Umsetzungsdruck: Du weißt, dass wir nochmal gemeinsam draufschauen. Und für mich ist es die Möglichkeit, aus deinem Feedback zu lernen und meine Arbeit weiterzuentwickeln.

Coaching-Formate

Themenspezifisches Coaching

Ein konkretes Thema, eine klare Lösung.

Express-Coaching

1-2 Stunden, ein Termin. Auch kurzfristig und online möglich.

Entscheidungscoaching

4 Stunden in einem Termin. Phase 1 und 2 des Coaching-Prozesses.

Umfassendes Coaching

8 Stunden auf 2 Termine. Alle 5 Phasen, vollständiger Maßnahmenplan.

Langfristige Begleitung

Mehrere Themen, regelmäßiger Rhythmus, nachhaltige Veränderung.

Umfassendes Coaching+

Ab 8 Stunden, Termine nach Absprache. Flexibel und individuell.

Quartalsbegleitung

3 Termine im monatlichen Rhythmus. Für kontinuierliche Entwicklung.

Jahresbegleitung

12 Termine, 1x monatlich. Nachhaltige Veränderung über ein ganzes Jahr.

Welches Format für dich passt, klären wir im kostenlosen Erstgespräch. Manchmal zeigt sich auch erst im Gespräch, ob eine einzelne Sitzung reicht oder ob ein längerer Prozess sinnvoller ist.

Jan-Aiko Berends

Über den Autor

Jan-Aiko Berends

Business Coach in Friesoythe. Sparrings- und Reflexionspartner für Führungskräfte, Teams und Selbstständige.

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