Kennst du das Gefühl, ständig beschäftigt zu sein, aber am Ende des Tages nicht sicher, ob du wirklich an den richtigen Dingen gearbeitet hast? Du funktionierst, du erledigst, du hast volle To-Do-Listen. Aber wenn dich jemand fragen würde, ob das, was du tust, dich deinem Ziel näher bringt, müsstest du vielleicht erst mal überlegen, welches Ziel du eigentlich meinst.
Genau hier setzt Stopp-Start-Weiter an. Es ist ein Reflexionswerkzeug aus „Zeit für Fragen“ von John Strelecky, das sich hervorragend für die Coaching-Arbeit eignet und leicht weiterentwickeln lässt. Die Grundidee ist simpel: Du sortierst dein aktuelles Handeln in drei Kategorien. Was willst du lassen? Was willst du beginnen? Was läuft gut und bleibt? Das klingt einfach, und das ist es auch. Aber genau in dieser Einfachheit liegt die Kraft.
Dieser Artikel ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil geht es um die Methode: wie sie funktioniert, welche Fragen sie stark machen, wie du sie anwendest und wo ihre Grenzen liegen. Im zweiten Teil schaue ich mit dir am konkreten Beispiel, wie sich das anfühlt. Lena, eine fiktive Architektin, nutzt Stopp-Start-Weiter vor einer Wachstumsentscheidung. Du siehst, was sie denkt, schreibt und am Ende erkennt.
Teil 1: Die Methode
Warum überhaupt reflektieren?
Reflexion hat manchmal einen schlechten Ruf. Es klingt nach Tagebuchschreiben und langen Spaziergängen mit sich selbst. Aber im Kern geht es um etwas sehr Praktisches: Du hältst kurz an und prüfst, ob dein Autopilot noch in die richtige Richtung fliegt.
Strelecky beschreibt in seinem Buch, dass das größte Hindernis für ein erfülltes Leben im Wesentlichen auf zwei Dinge zurückgeht: Entweder man weiß nicht, welches Leben man führen will, oder man setzt es nicht um. Die meisten Menschen haben durchaus eine Vorstellung davon, was sie wollen. Was ihnen oft fehlt, ist ein regelmäßiger Abgleich zwischen dem, was sie tun, und dem, was sie eigentlich tun wollen. Stopp-Start-Weiter ist genau dieser Abgleich.
Die drei Kategorien
Stopp
Was kostet Energie, ohne Ergebnis? Was tust du nur noch aus Gewohnheit?
Start
Was schiebst du auf? Welcher erste Schritt wartet auf dich?
Weiter
Was funktioniert gut? Was gibt dir Energie und verdient Anerkennung?
Stopp: Was darf gehen?
Die Stopp-Spalte ist für viele die schwierigste, weil sie ehrlich macht. Hier geht es um alles, was du tust, obwohl es dich nicht weiterbringt. Gewohnheiten, die sich eingeschliffen haben. Aufgaben, die du übernommen hast, weil niemand anderes sie gemacht hat. Verhaltensweisen, die irgendwann nützlich waren, aber ihren Zweck längst erfüllt haben.
Nicht alles, was du „schon immer so gemacht hast“, verdient einen Platz in deiner Zukunft.
Die folgenden Reflexionsfragen gehen bewusst über die Oberfläche hinaus. Welche Aufgabe kostet dich regelmäßig Energie, ohne dass du danach etwas Sinnvolles in der Hand hast? Was tust du nur noch aus Gewohnheit, nicht mehr aus Überzeugung? Welches Verhalten bringt dich deinem Ziel nicht näher, sondern hält dich nur beschäftigt?
Und dann eine Frage, die im Coaching oft den entscheidenden Unterschied macht: Was würdest du sofort streichen, wenn du wüsstest, dass niemand es dir übel nimmt? Diese Frage zeigt häufig, dass wir Dinge nicht aus eigenem Antrieb tun, sondern aus der Erwartung anderer. Das ist weder gut noch schlecht. Aber es lohnt sich, es zu wissen.
Und eine Frage, die im beruflichen Alltag besonders wirksam ist: Was kann ungestraft weggelassen werden? Nicht alles, was auf der To-Do-Liste steht, muss auch erledigt werden. Berichte, die niemand liest. Abstimmungsrunden, die nichts entscheiden. Prozesse, die irgendwann eingefuehrt wurden, deren urspruenglichen Grund aber niemand mehr kennt. Im Einzelhandel habe ich erlebt, wie Arbeitsanweisungen so detailliert geschrieben wurden, dass sie am Ende niemand mehr gelesen hat. Nicht aus Faulheit, sondern weil der Umfang den Inhalt erschlagen hat. Weniger waere mehr gewesen. Die Frage „Was kann ungestraft weggelassen werden?“ zwingt dazu, den tatsaechlichen Schaden einer Streichung ehrlich einzuschaetzen. Oft ist er kleiner, als man denkt.
Es gibt noch eine zweite Art von Stopp-Punkten, die schwerer zu erkennen ist: Dinge, die sich im Moment gut anfühlen, uns danach aber schlechter dastehen lassen. Jeder kennt das Prinzip vom Essen. Eine Tüte Chips fühlt sich beim Greifen angenehm an, aber danach kommt das schlechte Gewissen. Beim Handeln im Alltag funktioniert es genauso. Eine Stunde durch Social-Media-Inhalte scrollen, die uns nicht weiterbringen, fühlt sich im Moment nach Pause an, hinterlässt aber oft ein Gefühl von verschwendeter Zeit. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur „Was kostet mich Energie?“, sondern auch: Was tust du regelmäßig, das sich währenddessen gut anfühlt, aber danach schlechter? Diese Punkte sind besonders tückisch, weil wir sie nicht als Problem wahrnehmen, solange wir mittendrin stecken. Erst der ehrliche Blick auf das Danach macht sie sichtbar.
Start: Was wartet auf dich?
Die Start-Spalte fühlt sich meistens leichter an, weil sie mit Möglichkeiten zu tun hat. Hier sammelst du alles, was du anfangen willst, aber bisher aufgeschoben hast. Die Idee, die seit Wochen im Kopf kreist. Das Gespräch, das du führen müsstest. Die Veränderung, von der du weißt, dass sie fällig ist.
Was schiebst du seit Wochen vor dir her? Was würdest du tun, wenn du heute noch einmal ganz von vorne anfangen könntest? Welche Fähigkeit oder welches Wissen würde dich in deiner aktuellen Rolle am meisten voranbringen?
Eine Frage, die im Coaching besonders wirkungsvoll ist: Was ist der kleinste denkbare Schritt, mit dem du morgen starten könntest? Nicht der große Plan, nicht die perfekte Umsetzung. Sondern der eine Schritt, der so klein ist, dass es sich fast lächerlich anfühlt, ihn nicht zu tun. Veränderung beginnt selten mit einem Sprint. Meistens reicht ein einziger bewusster Schritt.
Weiter: Was verdient Anerkennung?
Die Weiter-Spalte wird oft unterschätzt, dabei ist sie mindestens genauso wichtig wie die anderen beiden. Reflexion bedeutet nicht nur, Probleme zu finden. Es bedeutet auch, das Gute bewusst wahrzunehmen. Was funktioniert bereits gut? Was gibt dir Energie? Worauf bist du stolz, auch wenn du es dir selten sagst?
Und eine Frage, die selten gestellt wird: Was würdest du vermissen, wenn du es plötzlich nicht mehr hättest? Diese Frage schärft den Blick für Dinge, die im Alltag unsichtbar geworden sind, weil sie einfach laufen. Ein gut funktionierendes Team. Eine Routine, die dir Struktur gibt. Eine Beziehung, in die du regelmäßig investierst. Manchmal braucht es die gedankliche Abwesenheit, um den Wert einer Sache zu erkennen.
So wendest du die Methode an
Nimm ein Blatt Papier und zieh drei Spalten, oder nimm drei einzelne Blätter, eins pro Kategorie. Schreib pro Spalte auf, was dir spontan einfällt. Gib dir dafür mindestens 15 Minuten ungestörte Zeit.
Im nächsten Schritt priorisierst du. Nicht alles gleichzeitig ändern. Markiere den wichtigsten Punkt pro Spalte und frag dich: Was wäre der kleinstmögliche nächste Schritt, der schon einen Unterschied macht? Ein Stopp-Punkt muss nicht sofort komplett verschwinden. Ein Start-Punkt braucht keinen ausgearbeiteten Plan. Und ein Weiter-Punkt darf auch einfach bewusst gewürdigt werden, ohne dass du etwas daran änderst.
Best Practice: Das Aufgabentagebuch als Vorbereitung
Eine Kombination, die besonders wirkungsvoll ist und über Streleckys Originalwerkzeug hinausgeht.
Falls dir bei der Stopp-Start-Weiter-Reflexion spontan wenig einfällt, liegt das meistens nicht daran, dass du zu wenig nachdenkst. Es liegt daran, dass du zu wenig beobachtest. Wir unterschätzen massiv, wie viel wir im Autopilot erledigen, ohne es bewusst wahrzunehmen. Die Lösung: ein Aufgabentagebuch.
Das Prinzip ist einfach. Führe eine Woche lang, besser noch einen Monat, ein Tagebuch über alles, was du tust. Nicht nur die großen Projekte, sondern auch die kleinen Aufgaben, die Routinen, die Gespräche, die Ablenkungen. Jede Aufgabe bekommt eine kurze Bewertung: Wie hat sich das angefühlt? Hat es mich weitergebracht? Würde ich das wieder tun? Eine einfache Sternebewertung reicht aus, von eins bis fünf.
Nach einer Woche oder einem Monat nimmst du dein Aufgabentagebuch und machst die Stopp-Start-Weiter-Reflexion. Der Unterschied ist enorm. Statt aus dem Bauchgefühl heraus zu reflektieren, hast du Daten. Du siehst schwarz auf weiß, wofür du deine Zeit verwendest. Du erkennst Muster, die dir im Alltag verborgen bleiben. Aufgaben, die immer wieder eine Eins bekommen. Routinen, die regelmäßig mit Fünf bewertet werden. Tätigkeiten, die gar nicht auftauchen, obwohl du sie eigentlich wichtig findest.
Das Aufgabentagebuch macht die Stopp-Start-Weiter-Reflexion von einer Momentaufnahme zu einer fundierten Standortbestimmung. Du reflektierst nicht mehr über das, was dir gerade einfällt, sondern über das, was tatsächlich passiert ist. Das ist ein wesentlicher Unterschied.
Für Führungskräfte: Stopp-Start-Weiter im Team
Das Werkzeug funktioniert nicht nur für die eigene Reflexion. Auch in Teams lässt es sich wirkungsvoll einsetzen. Führungskräfte können ihre Teammitglieder bitten, jeweils eigene Stopp-Start-Weiter-Listen zu erstellen und die Ergebnisse anschließend gemeinsam zu besprechen.
Was dabei oft passiert: Die Stopp-Spalten überschneiden sich überraschend stark. Prozesse, die alle als umständlich empfinden, aber niemand anspricht. Meetings, die keiner braucht, aber alle besuchen. Berichte, die geschrieben werden, weil sie irgendwann mal eingeführt wurden.
Gleichzeitig zeigen die Start-Spalten häufig, wo ungenutztes Potenzial liegt. Ideen, die im Alltag untergehen. Kompetenzen, die nicht abgerufen werden. Veränderungen, auf die das Team eigentlich wartet.
Wichtig dabei: Die Übung funktioniert nur in einem Rahmen, in dem ehrliche Antworten möglich sind. Wenn Teammitglieder befürchten, dass ihre Stopp-Punkte als Kritik aufgefasst werden, werden sie nichts Relevantes aufschreiben. Hier lohnt es sich, den Rahmen bewusst zu setzen, zum Beispiel durch anonyme Sammlung oder eine offene Frage wie: „Was müssten wir als Team verändern, damit wir in drei Monaten sagen können, dass sich etwas verbessert hat?“
Wo die Methode an Grenzen stößt
Stopp-Start-Weiter ist ein Reflexionswerkzeug, kein Analysewerkzeug. Es zeigt dir, wo du stehst und welche Richtung sich richtig anfühlt. Aber es erklärt dir nicht, warum du dort stehst. Wenn du merkst, dass die gleichen Punkte immer wieder in deiner Stopp-Spalte auftauchen, ohne dass sich etwas ändert, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Vielleicht steckt hinter dem „Ich sollte damit aufhören“ ein Muster, das tiefer liegt als eine einfache Gewohnheit. Es lohnt sich dann, nach dem verborgenen Gewinn zu fragen: Was bringt mir dieses Verhalten, obwohl ich weiss, dass es mich nicht weiterbringt? Sicherheit? Zugehoerigkeit? Vermeidung eines unangenehmen Gespraechs? Wer immer wieder dieselben Punkte in die Stopp-Spalte schreibt, ohne etwas zu aendern, hat vermutlich einen Grund dafuer, den er noch nicht erkannt hat. Das ist kein Versagen, sondern ein Hinweis darauf, dass die Reflexion tiefer gehen darf.
Auch die Start-Spalte kann trügerisch sein. Nicht jedes „Ich müsste mal...“ ist ein echtes Ziel. Manchmal ist es der Wunsch, der gerade gesellschaftlich erwartet wird, oder eine Idee, die sich aufregend anfühlt, aber nicht zu den eigenen Werten passt. Hier hilft es, die eigenen Einträge mit einer Zusatzfrage zu prüfen: Warum genau will ich das anfangen? Für wen mache ich das? Und was passiert, wenn ich es nicht tue?
Wenn du bei solchen Fragen ins Stocken gerätst, kann ein Gespräch mit jemandem helfen, der die richtigen Fragen stellt, nicht die richtigen Antworten hat. Genau das ist die Aufgabe, die ein Coaching-Prozess übernehmen kann.
Teil 2: Am Beispiel von Lena
So weit die Theorie. Damit greifbar wird, wie sich das in einer konkreten Situation anfühlt, gehe ich die Methode jetzt am Beispiel von Lena durch. Lena ist eine fiktive Figur, die auf diesem Blog regelmäßig auftaucht. Sie begegnet dir ausführlich in der Fallstudie zum Entscheidungscoaching.
Ausgangslage
Lena ist 42 und seit sechs Jahren selbstständige Architektin. Drei Mitarbeitende, ein Büro, das gut läuft. Vor zwei Wochen kam ein Anruf: Ein Möbelhersteller plant einen Neubau, 3,5 Millionen Euro Bauvolumen, 18 Monate Laufzeit. Doppelt so groß wie Lenas bisher größtes Projekt. Eine befreundete Unternehmerin hat ihr gesagt: „Nimm dir vorher einen halben Tag, setz dich hin und sortier, was du gerade tust. Du musst wissen, wo du stehst, bevor du entscheidest, wohin du willst.“
Lena nimmt sich den Vormittag. Küchentisch, Kaffee, drei Blätter. Stopp. Start. Weiter. Sie fängt mit dem schwierigsten an.
Lenas Stopp-Spalte
Der erste Eintrag kommt fast von alleine. Jede Entwurfszeichnung persönlich bis ins letzte Detail prüfen, auch bei Projekten, die längst klar laufen. Sie merkt beim Schreiben, dass dieser Punkt ihr unangenehm ist. Nicht, weil die Kontrolle schlecht wäre, sondern weil sie weiß, dass Katrin, ihre Juniorarchitektin, inzwischen gut genug ist, um solche Freigaben selbst zu machen. Lena hält trotzdem daran fest. Warum eigentlich?
Zweiter Eintrag: Kleinaufträge wie Terrassenverglasungen oder Badumbauten mit derselben Tiefe bearbeiten wie ein Einfamilienhaus. Lena hat das lange als Qualitätsmerkmal betrachtet. Jetzt fragt sie sich: Verkauft sie hier eigentlich Qualität, oder verhindert sie, dass das Büro bei Kleinaufträgen effizient arbeitet? Die Frage ist offen. Aber sie steht jetzt da.
Dritter Eintrag: Abends nach dem Abendessen noch einmal E-Mails lesen. Das ist kein Geschäftsproblem, das ist ein Lebensproblem. Matthias, ihr Mann, hat vor ein paar Wochen gesagt: „Es ist, als wärst du halb weg.“ Sie hatte das abgetan. Jetzt, auf dem Blatt, wirkt es anders.
Bei keinem der drei Punkte weiß Lena sofort, wie sie sie ändern soll. Darum geht es in dieser Spalte auch nicht. Die Stopp-Spalte ist dazu da, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Was dann passiert, kommt später.
Lenas Start-Spalte
Diese Spalte fällt ihr leichter, aber sie merkt auch: Leichter heißt nicht automatisch ehrlicher. Erster Eintrag: Eine wöchentliche Stunde, in der sie ausschließlich strategisch arbeitet. Kein E-Mail-Fenster, kein Telefon, keine laufenden Projekte. Nur Strategie. Sie denkt seit Monaten daran, aber das laufende Geschäft frisst den Platz. Jetzt steht es auf dem Blatt.
Zweiter Eintrag: Ein erstes Gespräch mit Katrin, einer früheren Kommilitonin, die gerade Teilzeit sucht. Lena hat ihre Nummer, hat das Gespräch aber nie angesetzt. Zu unverbindlich, zu unklar, zu vorläufig. Sie merkt: „Unverbindlich“ ist genau das, was sie braucht, bevor sie sich verpflichten kann. Der kleinste denkbare Schritt ist nicht die Einstellung. Er ist der Anruf.
Dritter Eintrag: Eine klare Trennlinie zwischen Büro und Zuhause. Keine E-Mails nach 19 Uhr. Keine Skizzen auf dem Küchentisch am Sonntag. Sie schreibt es auf, obwohl sie noch nicht weiß, ob sie es durchhält. Aber das ist in Ordnung. Auf der Start-Spalte darf auch das stehen, was man sich erst noch erlauben muss.
Lenas Weiter-Spalte
Lena merkt beim Schreiben, dass diese Spalte die wichtigste ist, nicht obwohl, sondern weil sie schnell voll wird. Der persönliche Kontakt zu Stammkunden. Das sind zwei Drittel ihrer Aufträge, und sie kommen zurück, weil Lena sich selbst kümmert. Das darf bleiben.
Der Qualitätsanspruch bei den Kernaufträgen. Ein Einfamilienhaus von Lena sieht anders aus als eines vom nächsten Büro. Das ist kein Marketing-Claim, das ist ein Unterschied, den ihre Kunden spüren. Das darf bleiben.
Die Tatsache, dass sie Freitag um 15:30 Uhr den Stift aus der Hand legt und bis Montag nicht anfasst. Zumindest offiziell. Die E-Mails am Abend sind in der Stopp-Spalte gelandet, aber das Wochenende ist ihr heilig. Rennrad, Familie, kein Laptop. Das darf auf keinen Fall in Frage gestellt werden, egal wie das Großprojekt entschieden wird.
Ein vierter Punkt kommt dazu, den sie fast vergessen hätte: Ihre Art, Mitarbeitende einzubinden. Katrin, Simon und Anna haben bei ihr früh eigene Verantwortung bekommen, manchmal mehr, als sie sich selbst zugetraut haben. Lena hat das nie als Führungsstil bezeichnet. Aber es funktioniert. Das gehört in die Weiter-Spalte, bevor sie bei einem Großprojekt versucht ist, wieder alles selbst zu machen.
Was Lena am Ende erkennt
Als Lena nach zwei Stunden aufhört, liegen drei Blätter vor ihr. Sie macht keine großen Pläne, sie setzt sich keine Deadline. Sie tut nur eines: Sie markiert pro Spalte den einen Punkt, bei dem sie sich vorstellen kann, in den nächsten sieben Tagen einen kleinen Schritt zu machen.
In der Stopp-Spalte: die abendlichen E-Mails. Sie legt das Handy ab 19 Uhr in die Schublade. Nur als Test, eine Woche lang. Mehr nicht.
In der Start-Spalte: Katrin anrufen. Unverbindlich. „Hast du nächste Woche mal eine halbe Stunde Zeit zum Kaffee?“
In der Weiter-Spalte: bewusst würdigen, dass das Wochenende ihr gehört. Sie erzählt Matthias beim Abendessen, was sie gemacht hat. Nicht mit großen Worten, aber klar: „Das Wochenende bleibt, egal was passiert.“
Nach der Reflexion sieht Lena klarer, was Wachstum konkret bedeuten würde. Nicht alles größer machen, sondern bewusst entscheiden, welche Aufgaben sie abgibt, damit sie die weiterführt, die ihr Büro wirklich ausmachen. Ob sie das Großprojekt annimmt, weiß sie an diesem Morgen noch nicht. Aber sie weiß, dass sie die Frage inzwischen an den richtigen Punkten stellt.
Ein Vorschlag zum Ausprobieren
Falls du neugierig geworden bist: Nimm dir diese Woche 20 Minuten, ein Blatt Papier und drei Spalten. Schreib auf, was dir zu Stopp, Start und Weiter einfällt. Priorisiere einen Punkt pro Kategorie. Schau, was passiert. Und wenn du noch einen Schritt weitergehen willst: Starte mit dem Aufgabentagebuch und wiederhole die Übung in einer Woche mit echten Daten. Vielleicht überrascht dich, was du entdeckst.
Primärquelle: John Strelecky: Zeit für Fragen im Café am Rande der Welt (S. 20–21, 73–74)
Die Nennung einer Quelle ist keine Buchempfehlung. Falls du wissen möchtest, welche Bücher ich empfehle, schreib mir gerne.
Literaturverzeichnis
- Strelecky, J. (2024). Zeit für Fragen im Café am Rande der Welt. dtv.

Über den Autor
Jan-Aiko Berends
Business Coach in Friesoythe. Sparrings- und Reflexionspartner für Führungskräfte, Teams und Selbstständige.
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